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04.03.2026 - Sieben Jahre, hunderte von Geschichten und unzählige Begegnungen
Beinahe genau vor sieben Jahren hat Gabriele Heigl ihre Arbeit als Pressesprecherin bei der KJF begonnen; am 15. April 2019 war ihr erster Arbeitstag im Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Geschäftsstelle in der Münchner Adlzreiterstraße. Diese Zeit endet nun am 31. März 2026. Hier blickt sie zurück.


Gabriele Heigl mit Bartholomäus Brieller, dem langjährigen Vorstand der KJF, bei dessen Abschiedsfeier im Juli 2024. Foto: KJF
Sinnstiftend. So habe ich meine Aufgabe bei der KJF von Anfang empfunden. Schon vor meinem Start war mir klar, dass Öffentlichkeitsarbeit hier mehr bedeutet als Imagepflege und Marketing. Denn es geht darum, für die Sache der meist sehr jungen und belasteten Menschen einzutreten, die der KJF anvertraut sind. Es war für mich die größte berufliche Freude, deren Geschichten, Herausforderungen und Erfolge sichtbar zu machen und ihnen damit eine Stimme zu geben. Dass Kommunikation dazu beitragen kann, Verständnis zu schaffen, politische Aufmerksamkeit zu lenken und gesellschaftliche Realitäten nicht zu beschönigen, sondern ernst zu nehmen, habe ich in diesen Jahren täglich erlebt.
Besonders gerne war ich immer vor Ort in den Einrichtungen und kam meist mit mindestens zwei Geschichten zurück. Und was waren das alles für Geschichten! Da gab es die vom ungewöhnlichen Weg von Joceline Alli, die sich als Kind selbst ein Waisenhaus suchte, um ein schwieriges Elternhaus verlassen zu können, und dann in die Obhut unseres Clemens-Maria-Kinderheims kam. Ich lernte sie kennen, als sie gerade ihr Abitur mit der Gesamtnote 1,7 abgelegt hatte und die Ausbildung zur Fluglotsin anstrebte.
Oder der ganz besondere Besuch im Erziehungshilfezentrum Adelgundenheim im Dezember 2022. Kardinal Reinhard Marx höchstpersönlich saß auf einmal in einem der Wohnzimmer der Wohngruppen in der Hochstraße und plauderte interessiert und sehr nahbar mit den jungen Bewohner:innen. Kein Protokoll, kein Pomp, kein Pathos.
Einmal durfte ich bei einer Bandprobe von "Das rote Motorrad", der inklusiven Rockband unseres Einrichtungsverbunds Steinhöring, dabei sein und mich von der Leidenschaft und der Lebensfreude der Bandmitglieder mitreißen lassen. Am liebsten hätte ich mitgespielt.
Beeindruckende Kolleginnen und Klienten
Und dazu das Kontrastprogramm: Besuch in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Junge Männer hinter Gittern treffen, die Schlimmes begangen hatten und an einem ganz schwierigen Punkt ihres Lebens standen. Dort habe ich in der Sozialpädagogin Anja Moser eine besondere Kollegin kennenlernen dürfen, die sich seit damals 23 Jahren um diese gestrauchelten jungen Männer kümmerte. Und die sich auch dann nicht demotivieren ließ, wenn diese jungen Männer leider viel zu oft nach ihrer Entlassung kurze Zeit später wieder in Stadelheim einliefen. Sie hat mich nachhaltig beeindruckt.
Sehr präsent ist mir auch die Geschichte von Azad Miah Ali Fajor, einem Flüchtling aus Bangladesch, der in der ersten Phase der Corona-Pandemie 1200 Masken für die KJF beschaffen konnte. Er tat es aus Verbundenheit mit unserer Einrichtung SBW-Flexible Hilfen, die ihn in der ersten schwierigen Zeit in Deutschland unterstützt hatte. Die Masken waren für ihn nicht umsonst zu haben. Azad bezahlte sie aus eigener Tasche und schenkte sie der KJF. 550 Euro haben ihn die Masken gekostet.
Eine besondere Freude war es mir stets, mit Miriam Falkenberg zusammenzuarbeiten. Die Sozialpädagogin bei den Ambulanten Erziehungshilfen in der Einrichtung SBW-Flexible Hilfen ist eine begnadete Autorin und Poetin. Alle Gedichte, die über die Jahre auf der letzten Seite des Magazins erschienen, stammen von ihr. Sie schrieb auch Berichte über ihre Arbeit, die sie mir zu Veröffentlichung im Magazin und auf der Website zur Verfügung stellte. Hier ein Beispiel mit dem sprechenden Titel: "Die Armut sitzt wie ein großes, schwarzes Tier mit am Tisch". Aus jeder dieser Geschichten sprach die fähige Fachkraft genauso wie die empathische Unterstützerin von Klient:innen, die es besonders schwer im Leben haben. Niemals hätte ich diese Geschichten so in Worte fassen können wie Miriam Falkenberg.
Große Wertschätzung
In den sieben Jahren kamen so an die 450 Geschichten zustande, für 28 KJF-Magazine und eine Corona-Extra-Ausgabe sowie natürlich für die KJF-Träger-Website, an deren Relaunch ich mitwirken durfte. Ich bin dankbar für die vielen bleibenden Begegnungen, die Gespräche und den kollegialen Umgang bei der KJF. Ich verlasse die KJF mit großer Wertschätzung für das, was hier täglich geleistet wird. Dass ich daran mitwirken durfte, diese Arbeit nach außen sichtbar und verständlich zu machen, habe ich als Privileg empfunden.
Text: Gabriele Heigl, KJF-Pressesprecherin
Besonders gerne war ich immer vor Ort in den Einrichtungen und kam meist mit mindestens zwei Geschichten zurück. Und was waren das alles für Geschichten! Da gab es die vom ungewöhnlichen Weg von Joceline Alli, die sich als Kind selbst ein Waisenhaus suchte, um ein schwieriges Elternhaus verlassen zu können, und dann in die Obhut unseres Clemens-Maria-Kinderheims kam. Ich lernte sie kennen, als sie gerade ihr Abitur mit der Gesamtnote 1,7 abgelegt hatte und die Ausbildung zur Fluglotsin anstrebte.
Oder der ganz besondere Besuch im Erziehungshilfezentrum Adelgundenheim im Dezember 2022. Kardinal Reinhard Marx höchstpersönlich saß auf einmal in einem der Wohnzimmer der Wohngruppen in der Hochstraße und plauderte interessiert und sehr nahbar mit den jungen Bewohner:innen. Kein Protokoll, kein Pomp, kein Pathos.
Einmal durfte ich bei einer Bandprobe von "Das rote Motorrad", der inklusiven Rockband unseres Einrichtungsverbunds Steinhöring, dabei sein und mich von der Leidenschaft und der Lebensfreude der Bandmitglieder mitreißen lassen. Am liebsten hätte ich mitgespielt.
Beeindruckende Kolleginnen und Klienten
Und dazu das Kontrastprogramm: Besuch in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Junge Männer hinter Gittern treffen, die Schlimmes begangen hatten und an einem ganz schwierigen Punkt ihres Lebens standen. Dort habe ich in der Sozialpädagogin Anja Moser eine besondere Kollegin kennenlernen dürfen, die sich seit damals 23 Jahren um diese gestrauchelten jungen Männer kümmerte. Und die sich auch dann nicht demotivieren ließ, wenn diese jungen Männer leider viel zu oft nach ihrer Entlassung kurze Zeit später wieder in Stadelheim einliefen. Sie hat mich nachhaltig beeindruckt.
Sehr präsent ist mir auch die Geschichte von Azad Miah Ali Fajor, einem Flüchtling aus Bangladesch, der in der ersten Phase der Corona-Pandemie 1200 Masken für die KJF beschaffen konnte. Er tat es aus Verbundenheit mit unserer Einrichtung SBW-Flexible Hilfen, die ihn in der ersten schwierigen Zeit in Deutschland unterstützt hatte. Die Masken waren für ihn nicht umsonst zu haben. Azad bezahlte sie aus eigener Tasche und schenkte sie der KJF. 550 Euro haben ihn die Masken gekostet.
Eine besondere Freude war es mir stets, mit Miriam Falkenberg zusammenzuarbeiten. Die Sozialpädagogin bei den Ambulanten Erziehungshilfen in der Einrichtung SBW-Flexible Hilfen ist eine begnadete Autorin und Poetin. Alle Gedichte, die über die Jahre auf der letzten Seite des Magazins erschienen, stammen von ihr. Sie schrieb auch Berichte über ihre Arbeit, die sie mir zu Veröffentlichung im Magazin und auf der Website zur Verfügung stellte. Hier ein Beispiel mit dem sprechenden Titel: "Die Armut sitzt wie ein großes, schwarzes Tier mit am Tisch". Aus jeder dieser Geschichten sprach die fähige Fachkraft genauso wie die empathische Unterstützerin von Klient:innen, die es besonders schwer im Leben haben. Niemals hätte ich diese Geschichten so in Worte fassen können wie Miriam Falkenberg.
Große Wertschätzung
In den sieben Jahren kamen so an die 450 Geschichten zustande, für 28 KJF-Magazine und eine Corona-Extra-Ausgabe sowie natürlich für die KJF-Träger-Website, an deren Relaunch ich mitwirken durfte. Ich bin dankbar für die vielen bleibenden Begegnungen, die Gespräche und den kollegialen Umgang bei der KJF. Ich verlasse die KJF mit großer Wertschätzung für das, was hier täglich geleistet wird. Dass ich daran mitwirken durfte, diese Arbeit nach außen sichtbar und verständlich zu machen, habe ich als Privileg empfunden.
Text: Gabriele Heigl, KJF-Pressesprecherin


