zurück zur Übersicht
13.10.2026 - 130 Jahre Fendsbacher Hof: Wie Inklusion funktionieren kann
Teilhabe und Inklusion werden in der Gesellschaft viel diskutiert, auf dem Fendsbacher Hof werden sie gelebt – und das seit mittlerweile 130 Jahren. Das Gelände ist groß, die Aufgaben sind vielfältig. Der Blick für den einzelnen Menschen geht dabei jedoch nie verloren. Ein Ortstermin mit vielen wertvollen Begegnungen.

Grüner Daumen: Rosi ist gerne in der Gärtnerei beschäftigt.
Sie kennt jeden Handgriff und bewegt sich sicher durch die Staudenreihen. Seit 19 Jahren arbeitet Rosi auf dem Fendsbacher Hof. Heute kümmert sie sich um die Cocktailtomaten im Gewächshaus. „Pikieren und topfen, das mache ich besonders gern. Einfach alles mit Erde. Nur Unkraut jäten, das mag ich gar nicht“, erzählt die 45-Jährige und lacht.
Die Gärtnerei ist einer von fünf Werkstattbereichen auf dem Fendsbacher Hof. Darüber hinaus gibt es noch die Industrielle Fertigung, die Holzverarbeitung, Küche und Hauswirtschaft sowie die Landwirtschaft. Ein umfassendes Angebot an Betätigungsfeldern, die sowohl einfache als auch komplexere Arbeitsschritte beinhalten. „Diese sind aber immer so konzipiert und aufgebaut, dass sie gut zu bewältigen sind. Bei uns passt sich die Umwelt an den Menschen mit Behinderung an – und nicht umgekehrt“, erklärt Standortleiterin Elisabeth Wagner.
Dieser Leitsatz gilt ebenso für die Förderstätte, in der Menschen, deren Beeinträchtigung so stark ausgeprägt ist, dass sie nicht, noch nicht oder nicht mehr in den Werkstätten tätig sein können, trotz dem eine sinnvolle Aufgabe finden.
Die Gärtnerei ist einer von fünf Werkstattbereichen auf dem Fendsbacher Hof. Darüber hinaus gibt es noch die Industrielle Fertigung, die Holzverarbeitung, Küche und Hauswirtschaft sowie die Landwirtschaft. Ein umfassendes Angebot an Betätigungsfeldern, die sowohl einfache als auch komplexere Arbeitsschritte beinhalten. „Diese sind aber immer so konzipiert und aufgebaut, dass sie gut zu bewältigen sind. Bei uns passt sich die Umwelt an den Menschen mit Behinderung an – und nicht umgekehrt“, erklärt Standortleiterin Elisabeth Wagner.
Dieser Leitsatz gilt ebenso für die Förderstätte, in der Menschen, deren Beeinträchtigung so stark ausgeprägt ist, dass sie nicht, noch nicht oder nicht mehr in den Werkstätten tätig sein können, trotz dem eine sinnvolle Aufgabe finden.
Mehr Lebensqualität durch Selbstbestimmung
Doch der Fendsbacher Hof ermöglicht nicht nur ein geschütztes, motivierendes und wertschätzendes Arbeiten, sondern ist für etwa 80 Bewohner:innen auch ein echtes Zuhause. Auf dem 130 Hektar großen Gelände – mit Obstbaumwiesen, Gemüsebeeten, Weiden, Wiesen und Äckern – bieten vier Wohnhäuser Platz für unterschiedliche Wohngemeinschaften, die je nach Unterstützungsbedarf eingeteilt werden. In den einzelnen Wohngemeinschaften sind maximal acht Personen untergebracht, jede hat ein Einzelzimmer. Hinzu kommen Außenwohngemeinschaften und das Ambulant Begleitete Wohnen. „Je weniger Betreuung notwendig ist, desto selbstständiger können die Bewohner:innen in den Wohngemeinschaften rund um Fendsbach leben“, fasst Elisabeth Wagner zusammen.
Beste Freundinnen: Anita (r.) und Rosi haben viel Spaß zusammen.
Rosi teilt sich seit sechs Jahren mit ihrer Freundin Anita eine eigene Wohnung in Wörth. Die beiden Frauen sind ein perfekt eingespieltes Team. „Zuerst waren wir 13 Jahre in einer Außenwohngruppe, jetzt schaut nur noch zweimal in der Woche jemand nach uns“, führt Anita stolz aus. „Wir machen fast alles allein.“
Selbstständigkeit und Selbstbestimmung haben einen großen Wert auf dem Fendsbacher Hof – auch im Rentenalter. Die 29 Senior:innen, die hier leben, können frei entscheiden, ob sie tagsüber in ihrer Wohngemeinschaft bleiben möchten oder in die Seniorentagesstätte gehen, um dort kreativ zu werden. So wie der 73-jährige Hans-Martin. Er sitzt konzentriert im Aufenthaltsraum und malt ein Bild aus. „Von einem Auto“, erklärt er. „Ich mag schon immer Autos, besonders BMW. Und lila ist gut als Autofarbe.“ Hans-Martin widmet sich wieder seinem Bild und wirkt sehr zufrieden. „Ziel des Ganzen ist, dass die Senior:innen aktiv gefördert werden“, ordnet Martin Stimmer, Teamleiter der Seniorenwohngemeinschaften, das Angebot der Seniorentagesstätte ein. „Wir haben offene Erzählrunden, in denen unsere Bewohner:innen einfach von früher erzählen können, und wir unterstützen mit gezielten Übungen die Mobilität. Unsere Senior:innen sollen körperlich und mental fit bleiben.“
Selbstständigkeit und Selbstbestimmung haben einen großen Wert auf dem Fendsbacher Hof – auch im Rentenalter. Die 29 Senior:innen, die hier leben, können frei entscheiden, ob sie tagsüber in ihrer Wohngemeinschaft bleiben möchten oder in die Seniorentagesstätte gehen, um dort kreativ zu werden. So wie der 73-jährige Hans-Martin. Er sitzt konzentriert im Aufenthaltsraum und malt ein Bild aus. „Von einem Auto“, erklärt er. „Ich mag schon immer Autos, besonders BMW. Und lila ist gut als Autofarbe.“ Hans-Martin widmet sich wieder seinem Bild und wirkt sehr zufrieden. „Ziel des Ganzen ist, dass die Senior:innen aktiv gefördert werden“, ordnet Martin Stimmer, Teamleiter der Seniorenwohngemeinschaften, das Angebot der Seniorentagesstätte ein. „Wir haben offene Erzählrunden, in denen unsere Bewohner:innen einfach von früher erzählen können, und wir unterstützen mit gezielten Übungen die Mobilität. Unsere Senior:innen sollen körperlich und mental fit bleiben.“
Grüne Ruheoase für Mensch und Tier
Und sie sollen vor allem eins: sich wohlfühlen. Wie alle Bewohner:innen und Beschäftigten. Auf dem Fendsbacher Hof fällt das nicht schwer, denn Ruhe und Natur gehören automatisch mit zum Programm. „Wenn ich Pause in der Montage habe, gehe ich zu den Pferden“, verrät Anita. „Überhaupt die Tiere gefallen mir ganz gut, weil ich total tier freundlich bin.“ Die Pferde freuen sich über jede Streicheleinheit und werden sonst für die Reittherapie eingesetzt, die sich vorwiegend an Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Einrichtungsverbund Steinhöring richtet.
Auto in lila: Hans-Martin, einer der 29 Senior:innen, die auf dem Fendsbacher Hof leben, ist zufrieden mit seinem Werk.

Tierische Mitbewohner: Auf dem Fendsbacher Hof lassen es sich auch 150 Ochsen gut gehen.
In direkter Nachbarschaft zu den Pferden befinden sich die 150 Ochsen des Fendsbacher Hofes. In ihrem Offenstall malmen sie gemütlich und genüsslich ihr Heu oder sie genießen die Zeit auf der Weide. Tierisch entspannt geht es auch bei den Hühnern, (Zwerg-)Schafen, Katzen und Bienen zu. Rosi hat heute jedoch keine Zeit, das alles zu genießen. Sie muss nach Steinhöring fahren. „Ich bin nämlich im Werkstattrat und einmal pro Monat haben wir Sitzung. Da besprechen wir die Probleme. Zum Beispiel, wenn jemand kommt und mir sagt, dass ihm das Essen nicht schmeckt.“ Der Werkstattrat wird alle vier Jahre gewählt und vertritt die Interessen der Beschäftigten der vier Werkstätten im Werkstattverbund „Steinhöringer Werkstätten“. Rosi wurde für den Fendsbacher Hof schon mehrmals gewählt. Der Werkstattrat zeigt, dass die Beschäftigten ernstgenommen werden. Sie können Wünsche äußern, Frust loswerden und vor allem mitgestalten.
Rosi macht diese Aufgabe großen Spaß und sie nimmt sie engagiert wahr. Ihr liegt etwas an dem Fendsbacher Hof. Trotzdem ist sie froh, wenn sie um 16:15 Uhr Feierabend hat. „Dann schaue ich zu Hause fern, besuche meinen Freund, der hier auf dem Fendsbacher Hof wohnt, oder ich bin mit Anita am Wiflinger Weiher. Außer es regnet stark oder schneit.“ Und am nächsten Tag freut sie sich wieder auf die Arbeit – auf die Cocktailtomaten und allerlei anderes Grünzeug.
Text und Fotos: Nicole Stroth/KJF
Rosi macht diese Aufgabe großen Spaß und sie nimmt sie engagiert wahr. Ihr liegt etwas an dem Fendsbacher Hof. Trotzdem ist sie froh, wenn sie um 16:15 Uhr Feierabend hat. „Dann schaue ich zu Hause fern, besuche meinen Freund, der hier auf dem Fendsbacher Hof wohnt, oder ich bin mit Anita am Wiflinger Weiher. Außer es regnet stark oder schneit.“ Und am nächsten Tag freut sie sich wieder auf die Arbeit – auf die Cocktailtomaten und allerlei anderes Grünzeug.
Text und Fotos: Nicole Stroth/KJF

Foto: Einrichtungsverbund Steinhöring
Der Fendsbacher Hof gehört zum Einrichtungsverbund Steinhöring und liegt im Landkreis Erding nahe Pastetten. Auf dem Hof leben etwa 80 Menschen mit einer vorwiegend geistigen Behinderung, weitere Beschäftigte sind in Außenwohngemeinschaften untergebracht. 95 Arbeitsplätze werden in fünf Werkstattbereichen ermöglicht. Bewohner:innen mit hohem Unterstützungsbedarf werden in der Förderstätte intensiv begleitet. In der Seniorentagesstätte wird die Zeit der Rente aktiv und in Gemeinschaft gestaltet.
Der Fendsbacher Hof: Ein echtes Unikum
Der Fendsbacher Hof ist nicht nur für die Beschäftigten und Bewohner:innen ein ganz besonderer Ort zum Ankommen und Durchatmen. Auch Mitarbeiter:innen und Kooperationspartner:innen schätzen ihn. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

„Die Begegnungen auf dem Fendsbacher Hof, die alltäglich stattfinden, sowie unsere offene Atmosphäre heben uns von anderen Werkstätten ab. Bei uns ist jeder für den anderen da. Als Gruppenleiter achte ich darauf, dass sich die Beschäftigten wohlfühlen und ihren Platz finden. Natürlich muss am Ende auch die Qualität stimmen, aber unser Ziel ist in erster Linie, dass jeder seine Stärken entdecken und ausleben kann.“
Thomas Stempfhuber ist als Gruppenleiter für den Werkstattbereich Montage verantwortlich. Dort arbeiten vor allem Beschäftigte mit einem höheren Unterstützungsbedarf.

„Was uns am Fendsbacher Hof kennzeichnet, ist das familiäre Miteinander. Wir sind keine Pflegeeinrichtung, in der das Personal nur seinen Aufgaben hinterherhetzt. Wir haben Zeit, uns hinzusetzen und zum Beispiel mit unseren Bewohner:innen Zeitung zu lesen. Oder wir spielen „Mensch ärgere dich nicht“ oder spazieren über das Gelände und besuchen die Pferde. Wenn Bewohner:innen das möchten, feiern wir auch Geburtstage ganz groß. Der Fendsbacher Hof ist wie eine kleine Insel.“
Katharina Braun ist als Heilerziehungspflegerin in der neuen Wohngemeinschaft Laurenzia des Hauses Josef im Einsatz und fördert die Selbstständigkeit und Teilhabe der Bewohner:innen.

„Als Unternehmen profitieren wir von der ausgezeichneten agilen Zusammenarbeit. Es wird nie im Problem verharrt, sondern immer nach Lösungen gesucht. Dabei wird gemeinsam geschaut, welche Möglichkeiten der Fendsbacher Hof hat und welche Bedarfe wir als Unternehmen haben. Durch die Kooperation mit dem Fendsbacher Hof wollen wir Menschen mit einer Behinderung eine sinnvolle Aufgabe geben, an der sie einfach auch Spaß haben – und das spürt man jedes Mal, wenn man auf dem Fendsbacher Hof zu Gast ist. Die Bewohner:innen begrüßen einen mit einem Lächeln und freuen sich, wenn man vorbeikommt.“
Martin Birmelin ist Geschäftsführer von Cerion Wachswaren in Pastetten. Das Familienunternehmen lagert schon seit etwa 30 Jahren einzelne Aufgaben wie das Reinigen und Wiederbefüllen von Opferlichtern an den Fendsbacher Hof aus.

„Wir schauen mit dankbarem Blick auf den Fendsbacher Hof und seine Entwicklung seit der Übergabe vor 40 Jahren. Unser Kernauftrag, die Sorge für Menschen mit Behinderung, wird hier mit großer Hingabe weitergeführt. Wenn es uns zeitlich möglich ist, kommen wir gerne auf den Fendsbacher Hof. So waren wir zuletzt bei der Segnung des Hauses Josef hier. Wir haben uns sehr gefreut, auch langjährige ehemalige Mitarbeitende dort zu treffen und zu erfahren, dass eine Wohngruppe nach einer Mitschwester – im Andenken an ihr Wirken auf dem Fendsbacher Hof – benannt wurde. Die Verbundenheit mit uns Schwestern der St. Josefskongregation Ursberg war und ist also für uns immer spürbar.“
Schwester Marianne Rauner (li.) ist Generalökonomin der St. Josefskongregation Ursberg. Schwester Canisia Maurer (r.) leitete von 1982 bis 1996 die Verwaltung des Bereichs Wohnen und begleitete die Übergabe des Fendsbacher Hofes an den Einrichtungsverbund Steinhöring.
Historische Blitzlichter
Ob Wohnhäuser, Kapelle oder Maschinenhalle: In den 130 Jahren seines Bestehens wurde auf dem Fendsbacher Hof viel gebaut, erneuert und erweitert. Einige exemplarische Meilensteine.
Die Texte sind erschienen im KJF-Magazin 4/2026.
- 1896: Der Priester Dominikus Ringeisen erwirbt das verwahrloste Ökonomiegut Fendsbach und bestimmt Schwester Alexia Schmid zur ersten Oberin.
- 1903: Die ersten 13 „arbeitsfähigen Pfleglinge“ kommen nach Fendsbach und werden in der Landwirtschaft eingesetzt.
- 1911: Ein neues Wohnhaus wird errichtet und eine Fördergruppe eröffnet.
- 1941: Die Einrichtung wird für die Kinderlandverschickung beschlagnahmt.
- 1941-1944: Ordensschwestern und Personal verhindern, dass Menschen mit Behinderung euthanisiert werden.
- 1985: Das „Pflegheim Kloster Fendsbach“ wird dem Betreuungszentrum Steinhöring (heute Einrichtungsverbund Steinhöring) als Erbpacht übergeben und in „Fendsbacher Hof“ umbenannt.
- 1988: Die Werkstätten inklusive der Landwirtschaft werden offiziell als Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) anerkannt.
- 1990: Die Gärtnerei erhält die „Bioland“- Anerkennung.
- 2016: Der Neubau der Förderstätte wird eröffnet.
- 2026: Das Haus Josef wird fertiggestellt, ein Selbstbedienungshofladen eröffnet.
Die Texte sind erschienen im KJF-Magazin 4/2026.


