zurück zur Übersicht

24.04.2026 - Wie das PZA Kinder und Jugendliche stark fürs Leben macht


Nicht immer ist es Eltern möglich, angemessen für ihre Kinder zu sorgen. In den Heilpädagogischen Wohngruppen des Pädagogischen Zentrums Achental (PZA) erfahren Kinder und Jugendliche mit psychosozialen und/oder schulischen Defiziten Zuwendung und Unterstützung. Nicole Schulz, Bereichsleitung Pädagogik, über herausfordernde und erfüllende Momente im Wohngruppen-Alltag.

Miteinander, füreinander und umeinander: Das ist das Motto der Wohngruppe Edelweiß, in der acht Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren leben.
Was sollen die Kinder und Jugendlichen in den Heilpädagogischen Wohngruppen lernen und für ihren weiteren Weg mitnehmen?
Nicole Schulz: Alle Kinder und Jugendlichen, die bei uns wohnen und leben, sollen später gestärkt in die Welt hinausgehen. Es liegt an jedem selbst, sein Leben zu verändern. Deswegen wollen wir die jüngeren Kinder von etwa sechs bis zwölf Jahren in unserer Edelweiß-Wohngruppe stärken, dass sie erkennen: Ich bin wer, ich bin selbstbewusst und ich schaffe das. Bei den älteren Jugendlichen in unseren anderen Wohngruppen geht es vor allem darum, dass sie selbstständig werden und sich teilweise von ihren Eltern und ihrem Lebensumfeld abgrenzen können.

Das Ziel ist klar. Wie schaut die Begleitung bis dorthin aus?
Da würde ich wieder zwischen den jüngeren Kindern und den älteren Jugendlichen differenzieren. Bei den Jüngeren spielen die Grundthemen der Erziehung noch eine größere Rolle: die hygienische und medizinische Versorgung, Ernährung, Regeln. Unsere Gesellschaft braucht Regelungen, sonst funktioniert kein Miteinander. Das ist für die Kinder ein Lernprozess.

Bei den Größeren kommen diese Themen punktuell noch vor, rücken aber mehr in den Hintergrund. Bei ihnen geht es vielmehr darum, Perspektiven zu entwickeln. Will der- oder diejenige eine weiterführende Schule besuchen? Welche Berufswünsche gibt es? Wie geht es nach der Maßnahme weiter? Viele junge Menschen, die bei uns leben, wollen auch über den Schulabschluss hinaus noch bei uns bleiben. Das war vor einigen Jahren noch anders. Da hat ein Wandel stattgefunden.

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen vor allem konfrontiert?
Die psychiatrischen Erkrankungen werden immer herausfordernder. Da müssen wir zunehmend externe Therapeuten oder niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater mithinzuziehen.

Was macht Ihnen trotz aller Herausforderungen Spaß an Ihrer Arbeit?
Die Entwicklungen der jungen Menschen zu sehen. Ich freue mich sehr, wenn wir die Chance haben, einen jungen Menschen über mehrere Jahre zu begleiten und mitzuerleben, was aus ihm oder ihr wird. Außerdem freut mich, wenn man bei Eltern etwas bewegen kann. Wenn ich das Gefühl habe, da arbeiten Eltern mit und verändern etwas an ihrem System, empfinde ich das als echten Erfolg.

Was zeichnet das Pädagogische Zentrum Achental generell aus?
Die Anbindung zu unserer Franz von Sales Schule – das ist eine sehr bereichernde Zusammenarbeit. Wir können uns viel direkter austauschen, wie es einem betreuten Jugendlichen in der Schule und in der Wohngruppe geht. Das ist ein großer Pluspunkt, der auch von den Jugendämtern sehr geschätzt wird.

Interview und Foto: Nicole Stroth/KJF