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29.01.2021 - Stimmungsvolles Weihnachtsfest in Stadelheim


Seit 20 Jahren arbeitet Anja Moser als Sozialpädagogin in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Dort betreut sie straffällig gewordene junge Männer zwischen 14 und 20 Jahren. Jedes Jahr organisiert sie auf der Station eine Weihnachtsfeier. Da Corona auch vor Gefängnistoren nicht Halt macht, konnte das Fest 2020 nur unter besonderen Bedingungen stattfinden – dafür aber nicht minder stimmungsvoll.
 

Abstand halten: Coronabedingt feierten die Inhaftierten an jeweils eigenen Tischen vor ihren Zellen ein kleines Weihnachtsfest. Alle Fotos: KJF/Anja Moser
 

"In diesem Jahr war auch bei uns alles anders. Zum ersten Mal haben die Jungs ganz alleine Weihnachten gefeiert – ohne uns", sagt Anja Moser. Sie ist seit 20 Jahren beim Adelgundenheim als Sozialpädagogin in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stadelheim tätig. Dort betreut sie straffällig gewordene junge Männer zwischen 14 und 21 Jahren. 

Auf der Station herrschte drei Tage vor Weihnachten Festtagsstimmung. Doch coronabedingt fand die traditionelle Weihnachtsfeier ohne BetreuerInnen statt. Wichtig war Anja Moser und ihren Kollegen dennoch, dass trotz strikter Hygieneauflagen ein kleines Fest stattfinden konnte. 

Jeder der 23 Gefangenen durfte seinen Tisch aus der Zelle in den Flur stellen. Not macht erfinderisch. Anja Moser durfte sich nicht dazusetzen, kümmerte sich aber um das Essen. In großen Töpfen kochte sie "ihren Jungs" Chili con Carne. "Der beste Tipp, den ich von einer Kollegin bekam, waren tiefgekühlte vorgeschnittene Zwiebeln", sagt Anja Moser und lacht. "So wurde der Tag nicht so tränenreich."

Gemeinsame Feier im Gang

Da Gefangene auf einer Station als ein Hausstand gelten, durften die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam im Gang vor den Zellen feiern. Für jeden standen ein Getränk und Lebkuchen bereit. Am Ende des Gangs fand ein geschmückter Christbaum seinen Platz.

Und sogar der Nikolaus kam kurz vorbei. "Die Tracht samt Mitra und Stab haben wir vor Jahren vom Sozialdienst Katholischer Frauen geschenkt bekommen und halten sie seitdem in Ehren. Einer der Jungs wollte unbedingt der Nikolaus sein und den anderen einmal ganz unbescholten die Leviten lesen", lacht Anja Moser.

Die Stimmung war ausgelassen. Die Erwachsenen konnten über eine Kamera beobachten, wie die jungen Männer gemeinsam an ihren jeweiligen Tischen feierten. "Es wurde schon etwas lauter, aber das ist für eine Feier völlig okay", sagt Anja Moser.
 

Hoher Besuch: Ein junger Inhaftierter liest seinen Mitgefangenen als Nikolaus verkleidet die Leviten.

Töpfeweise Chili: Anja Moser, Sozialpädagogin der KJF in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim, kochte den jungen Männern zu Weihnachten ihr Leibgericht.
 

Am 24. Dezember bekamen die Gefangenen nochmals eine kleine Überraschung von der KJF.  Anja Moser nutzte die Zeit des Hofgangs, um im Aufenthaltsraum Kekse und Filterkaffee vorzubereiten; ein Highlight für die Gefangenen, die sich Nahrungsmittel außerhalb des regulären Essensplans in der Justizvollzugsanstalt kaufen müssen und keine eigene Kaffeemaschinen besitzen. "Die Jungs haben ganz schön gestaunt. Die Überraschung ist gelungen."

Weihnachten ist auch für die Inhaftierten in Stadelheim ein besonderer Tag. Anja Moser und die Justizvollzugsbeamten versuchen, die jungen Männer auf Trab zu halten. "Stillstand ist schwierig an so einem Tag. Damit es nicht zu traurig wird, hauen lieber alle ein bisschen mehr auf den Putz", sagt Anja Moser. "Wir versuchen, es nicht zu rührselig werden zu lassen."

Text: Angelika Slagman, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit