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22.10.2021 - Kinderarmut - Aufwachsen unter Stress. So hilft der Lichtblick Hasenbergl


Was bedeutet es für Kinder, wenn sie in Armut aufwachsen müssen? Dieser Frage ging die Redaktion des Münchner Kirchenradios in seiner Sendereihe "Kita-Radio" nach und interviewte dafür Johanna Hofmeir, die Gründerin und Leiterin der KJF-Einrichtung Lichtblick Hasenbergl.

Ausgegrenzt: Kinder, deren Familien arm sind, haben einen ganz schweren Start ins Leben. Foto: Myriams-Fotos auf Pixabay 
 
Hier zum Nachhören
Wenn Sie den interessanten Beitrag "Kinderarmut - Aufwachsen unter Stress" des Münchner Kirchenradios (MKR) nachhören wollen, finden Sie ihn in der Sendereihe "Kita-Radio" der Mediathek auf mk-online.de. Die Sendungen des Münchner Kirchenradios können Sie hören auf DAB+ und im Webradio, außerdem als Podcast auf mk-online.de oder überall dort, wo es Podcasts gibt.
Armut bedeutet Dauerstress, nicht nur für die Eltern, sondern in besonderem Maße auch für die Kinder der betroffenen Familien. Das Münchner Kirchenradio (MKR) hat wiederholt über dieses wichtige Problem berichtet. Nun hat MKR-Redakteurin Carolin Engel sich erneut des Themas angenommen und sich für die Sendereihe "Kita-Radio" mit Johanna Hofmeir, die Leiterin der KJF-Einrichtung Lichtblick Hasenbergl, unterhalten. Zielgruppe der Sendereihe sind Eltern, Erzieherinnen und Erzieher. Beim Lichtblick Hasenbergl werden sozial benachteiligte Familien und deren Kinder von Anfang an unterstützt und gefördert, um den Kindern ein gesundes Aufwachsen auch unter schwierigsten Bedingungen zu ermöglichen. 

Die Situation speziell im Münchner Stadtteil Hasenbergl kennt kaum eine so gut wie die Sozialpädagogin Johanna Hofmeir. Vor 28 Jahren hat sie die Einrichtung Lichtblick Hasenbergl gegründet. Inzwischen besteht das Team aus 30 PädagogInnen, es gibt 200 Betreuungsplätze für Kinder und Jugendliche im Alter von 5 Monaten bis 25 Jahren. Es gilt das Bezugsbetreuersystem; ein Pädagoge kümmert sich um jeweils sechs Kinder.

Zu enger Wohnraum und die ständige Sorge, ob Miete und Rechnungen bezahlt werden können, bedeuten für die ganze Familie Dauerstress. Geborgene Familienatmosphäre: Fehlanzeige. Der Lichtblick versucht daher, die Eltern in allem zu unterstützen, wo sie Unterstützung benötigen: So bekommen die Kinder und Jugendlichen etwa gesundes Essen und Hausaufgabenunterstützung, und die Fachkräfte helfen den Eltern beim Arztbesuch und beim Behördengang. Johanna Hofmeir: "Was die Familie allein nicht leisten kann, übernehmen wir. Es ist sehr wichtig für die Betroffenen, dass sie in ihrer Not gesehen werden." Bei der Hilfe sei Niedrigschwelligkeit ein wichtiger Punkt. So gebe es etwa eine Flohmarkt-Boutique, wo die Eltern sich unkompliziert benötigte Kinderkleidung abholen können sowie einen Lebensmittel-Schrank, der den Namen "Der Laden" trägt, aus dem man sich Grundnahrungsmittel wie Müsli, Nudeln, Tomatensauce nehmen kann, ohne irgendwelche Formulare ausfüllen zu müssen.
Kinderarmut in Deutschland
In Deutschland wächst jedes fünfte Kind in einer Armutslage auf - das sind etwa 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. In einer reichen Stadt wie München scheint Armut ein Problem zu sein, das sich irgendwo sehr weit weg abspielt. Tatsächlich leben aber zum Beispiel im Stadtteil Hasenbergl im Münchner Norden viele Familien schon seit Generationen unter sozial schwierigsten Bedingungen. 

Appell zum gesamtgesellschaftlichen Engagement

Armut hat besondere Auswirkungen auf die Psyche, das Sozialverhalten und die kognitive Entwicklung von Kindern. Auf Stress reagieren Heranwachsende häufig mit einer Abschottung, die auch fördernde Reize für die Gehirnentwicklung blockiert. Eine Folge ist beispielsweise, dass Kinder häufig nicht schulreif sind, wenn sie eingeschult werden. Nur wenn rechtzeitig unterstützend eingegriffen werde, könne man eine immer weitere Benachteiligung verhindern.

In dem MKR-Beitrag appelliert Johanna Hofmeir auch an Politik und Gesellschaft: "Die belasteten Familien müssen von der Politik noch stärker ins Auge genommen werden." Außerdem brauche es ein gesamtgesellschaftliches Engagement von Kirchen, Wirtschaft und Privatpersonen, weil es auch mit verstärkter Unterstützung durch die Politik Lücken im Auffangnetz geben werde, die geschlossen werden müssten. Ohne Sach- und Geldspenden werde es nicht gehen, so Johanna Hofmeir. 

Den Beitrag, in dem sich Johanna Hofmeir auch ausführlich dazu äußert, wie es dem Lichtblick und seinen Betreuten in der Corona-Zeit ergangen ist, können Sie hier abrufen. Prädikat: sehr hörenswert.

Text: Gabriele Heigl