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23.01.2026 - Frühe Förderung macht den Unterschied


In unserer Einrichtung Salberghaus in Putzbrunn bekommen besonders belastete Kinder nicht nur Schutz und Geborgenheit, sondern genau die Förderung, die sie jetzt brauchen. Durch enge Zusammenarbeit von Fachkräften unterschiedlicher Disziplinen können Entwicklungsverzögerungen früh erkannt und gezielt aufgeholt werden - eine entscheidende Investition in die Zukunft dieser Kinder.

Physiotherapeutinnen begutachten das Kind und fördern dessen Bewegungsmöglichkeiten. Alle Fotos: Salberghaus
Viele der Kinder, die in den Notaufnahme- und Wohngruppen des Salberghauses Putzbrunn ankommen, haben in ihren ersten Lebensjahren nicht die Unterstützung erlebt, die für eine gesunde Entwicklung nötig gewesen wäre. Vernachlässigung, Überforderung oder instabile Bindungen hinterlassen Spuren - oft sichtbar in Sprache, Bewegung, Wahrnehmung oder Konzentration. Genau hier setzt die frühe Förderung im Salberghaus an: Je früher Entwicklungsrisiken erkannt und therapeutisch begleitet werden, desto größer sind die Chancen, dass Kinder ihre Fähigkeiten entfalten und ihren Weg ins Leben selbstbewusst gehen können.

Denn sogenannte Entwicklungsfenster für das Erlernen bestimmter Kompetenzen sind nicht unbegrenzt offen. Wenn in dieser Zeit etwas nicht vollständig gelernt wird, kann es später nicht aufgeholt werden; dauerhafte Einschränkungen sind die Folge. Daher ist es so wichtig, dass Entwicklungsverzögerungen bei kleinen Kindern so früh wie möglich diagnostiziert und so gut wie möglich durch die passende Förderung ausgeglichen werden können. Gerade bei den Salberghaus-Kindern der Notaufnahmegruppen und Wohngruppen sind die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder durch die schwierige Situation in ihren Herkunftsfamilien oft nicht ausreichend gut gewesen. 

Eine gründliche Diagnostik ist der Anfang

Im ersten Schritt geht es darum, das Kind gründlich zu begutachten und seinen Entwicklungsstand zu erfassen. Dafür ist erstmal die Kinderärztin zuständig, die die bei uns untergebrachten Kinder in den ersten Tagen untersucht und im Einzelfall an Fachärzte überweist. Wenn ein Kind nicht gut sieht oder hört, führt schon eine Versorgung mit Brille oder Hörgerät schnell zu einem Entwicklungsschub beim Kind.

Die Psychologinnen der Wohngruppen sind dann in den ersten Wochen der Unterbringung mit im Boot, wenn es um die Diagnostik des Kindes geht. Je nach Alter des Kindes werden ein oder mehrere Testverfahren genutzt, um eine Einschätzung über den Entwicklungsstand zu gewinnen. Auch die Erkenntnisse der Wohngruppen-Mitarbeitenden, die das Kind jeden Tag im Alltag kennengelernt haben, sind dann gefragt.

Physiotherapie hilft schon im Babyalter

Gerade motorische Schwierigkeiten fallen schnell auf: Babys, die sich noch nicht drehen oder Kleinkinder, die sehr unsicher laufen: Schon sehr früh können die Physiotherapeutinnen vor Ort das Kind begutachten und durch intensive Förderung die Bewegungsmöglichkeiten des Kindes unterstützen und gezielt erweitern. Neben ihrer direkten Arbeit mit den Kindern beraten sie auch die Kolleg:innen in der Gruppe, wie das Kind auch im Alltag möglichst gut angeregt werden kann.

Eine umfassende Sprachförderung ist Teil der logopädischen Einzelförderung.
Logopädie - umfassende Sprachförderung von Anfang an

Die Entwicklung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und des Sprachverständnisses muss sich in den ersten Lebensjahren schnell und stetig entwickeln. Gibt es hier Schwierigkeiten, werden unsere Logopäd:innen tätig. Mal ist es die Stärkung der Mundmotorik, mal geht es um die Erweiterung des Wortschatzes - auch hier ist sowohl das Fachwissen der speziell geschulten Sprachtherapeutinnen gefragt, als auch die Einzeltherapie und wieder die Umsetzung einer umfassenden Sprachförderung im Alltag der Wohngruppe. 

Bei Kindern im Kindergarten- und Schulalter sind die Entwicklung der Wahrnehmung und die Schulung von Konzentration und Feinmotorik ein großes Entwicklungsthema. Bei Einschränkungen kommt die Ergotherapie zum Einsatz.

Frühe Förderung hat lebenslange Effekte - ist aber nur teilweise finanziert

Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie werden von der Kinderärztin verordnet und über die Krankenkasse abgerechnet. Die Finanzierung ist in den letzten Jahren jedoch immer knapper geworden, so dass viele sinnvolle Elemente darüber nicht abgerechnet werden können. Die Therapien finden vor Ort im Putzbrunner Salberghaus statt, und die Kinder profitieren sehr von der engen Verbindung und Zusammenarbeit der Fachdienste mit den Wohngruppen. Sie haben keine Angst, alleine zu den Therapeutinnen zu gehen, wenn diese sie aus der Gruppe abholen. Damit kommt auch automatisch der wertvolle Austausch zwischen Gruppe und Fachdienst zustande - wie geht es dem Kind heute, wie lief die Förderstunde, was sind die Sachen, die geübt werden können? All das braucht aber Zeit - der Austausch, und natürlich, bis das Kind fertig gespielt hat und beim Therapieraum angekommen ist. Auch der Weg dorthin ist Förderung, und gerade für beziehungstraumatisierte Kinder ist der Übergang von der Situation in der Gruppe zum Einzelkontakt mit der Therapeutin ein großer Schritt.

Erst wenn die Bindungssituation für das Kind klar ist, kann es sich richtig auf die Fördersituation einlassen. Besonders schön ist es, wenn die Kinder mit den Therapeutinnen Fördereinheiten außerhalb des Hauses erleben dürfen: Sprachförderung im Wald, oder Physiotherapie in der Boulderhalle - gerade die Alltagsnähe ist in der Förderung so wichtig, weil sie direkt wirkt. Genau diese Zeit und die Möglichkeiten, die vor Ort geboten werden können, sind im Finanzierungsrahmen der Krankenkassen nur teilweise enthalten. Daher fließen jedes Jahr etwa 30.000 Euro an Spenden in die Arbeit der Fachdienste. Hier ist jeder Euro gut investiert, da frühe Förderung dem Kind sein ganzes Leben lang Chancen eröffnet, oder, wenn sie nicht stattfindet, Türen in der Entwicklungsförderung der Kinder schließt.

Text: Salberghaus

In der heilpädagogischen Förderstunde machen die Kinder spielerisch Fortschritte.
 

Sie fördert Konzentration und Feinmotorik.