• Wir geben Menschen eine Zukunft
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Einrichtungsverbund Steinhöring

Ehrung für Weitblick und Leidenschaft:
25 Jahre ökologische Landwirtschaft am Fendsbacher Hof

Anlässlich der Verleihung eines Naturland-Zertifikats in Maria Bildhausen an die Fendsbacher Landwirtschaft blickt der Leiter der Fendsbacher Werkstätten zurück.

Das Team der Fendsbacher Landwirtschaft freut sich über die Anerkennung. Foto: EVS/KJF

Es muss damals eine Entscheidung mit Mut und Weitblick gewesen sein, diesen Weg zu beschreiten. Als landwirtschaftlicher Biobetrieb war man Anfang der 90er Jahre im Landkreis Erding ein Exot und Außenseiter. Die Bioland-Gärtnerei am Fendsbacher Hof hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seit über fünf Jahren bewiesen, dass die Bio-Wirtschaftsweise erfolgreich umsetzbar ist. Bereits seit 1988 sind die Steinhöringer Werkstätten Mitglied der Bio-Verbraucher-Erzeuger-Genossenschaft und Regionalmarke Tagwerk – Jahrzehnte bevor der Wert regional und nachhaltig erzeugter Nahrungsmittel in der breiten Öffentlichkeit vermarktet wurde.

Rückblickend war diese Weichenstellung vor 25 Jahren visionär, weil früh erkannt wurde, dass die ökologische Wirtschaftsweise zukunftsfähig ist und der Schöpfungsverantwortung und Generationengerechtigkeit besonders nahekommt. Heute unterstreichen sowohl die aktuelle päpstliche Enzyklika „Laudato si“, als auch aktuelle Schriften der Deutschen Bischofskonferenz zu den Themen Landwirtschaft, Klima-, Boden- und Artenschutz, wie wichtig und richtig dieser vor über 25 Jahren eingeschlagene Weg bis heute ist.

Möglich war die Umstellung nur, weil sie nicht nur von der Leitung gewollt war, sondern auch von überzeugten MitarbeiterInnen leidenschaftlich mitgetragen wurde und wird, und weil viele Partner diesen Weg bis heute mitgehen – neben dem Naturland-Verband mit seinen Beratungs- und Vermarktungsspezialisten sind hier vor allem unsere Kunden, Verpächter, Lohnunternehmer, Maschinenringe, die Waldbesitzervereinigung und die Partner-Biobetriebe sowie die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Ökologie auf Kirchengrund zu nennen.

Landwirtschaft und Gartenbau mit Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung gab es am Fendsbacher Hof bereits lange vor der staatlichen Anerkennung als „WfB“ (Werkstätte für Behinderte) im Jahr 1987, nämlich seit über 120 Jahren beginnend mit der Gründung eines Filialklosters der St.-Josefs-Kongregation.

Positive Wirkung für Menschen mit Behinderung

Während in der Anfangszeit die Landwirtschaft vor allem der Selbstversorgung der klösterlichen Gemeinschaft gedient haben dürfte, wurden im Laufe der Jahre und Jahrzehnte unterschiedliche Schwerpunkte und Betriebszweige verfolgt. Wie generell in der Landwirtschaft hat in diesen Jahrzehnten die Mechanisierung und damit verbunden die Arbeitsproduktivität enorm zugenommen.


Die Landwirtschaft hat am Fendsbacher Hof eine lange Tradition: Maisernte im September 1971. Archivfoto: EVS/KJF

Für die dort tätigen Werkstattbeschäftigten im Arbeits- und Berufsbildungsbereich sind die positiven fachlichen Wirkungen der Lern-, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten im grünen Bereich unstrittig: Der Aufenthalt an der frischen Luft, die vielseitige körperliche Betätigung, das große Spektrum an jahreszeitlich wechselnden Tätigkeiten, der Umgang mit modernen Maschinen und der verantwortliche Bezug zu Nutztieren, -pflanzen und Lebensmitteln verbunden mit einer entsprechenden fachlichen Anleitung und Betreuung tragen entscheidend dazu bei.

Die ökologische Betriebsweise ist dazu besonders geeignet, da sie Zusammenhänge und Kreislaufdenken vermittelt, vor allem in einer Zeit, in der sich der agrarpolitische Weg der konventionellen Landwirtschaft zunehmend als Irrweg herausstellt und von einem wachsenden Teil der Gesellschaft nicht mehr mitgetragen wird.

Die aktuellen Herausforderungen werden nicht weniger – der Flächenverbrauch im Münchner Umland führt zu wachsender Konkurrenz zwischen den Betrieben, die bürokratischen Anforderungen steigen enorm an, und nicht zuletzt hängt auch ein Biobetrieb am Tropf der europäischen und staatlichen Agrarförderung, wenngleich die Gesellschaft für diese Gelder eine nachhaltige Gegenleistung in Form der Umweltleistungen erhält.

Die Bio-Landwirtschaft am Fendsbacher Hof als einen besonderen Arbeitsbereich einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung attraktiv zu halten und auszubauen, sollte das Ziel der kommenden Jahre bleiben.

Text: Artur Kammerer, Leiter der Fendsbacher Werkstätten