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Sehr gute Abschlussprüfung

Laura schafft unter erschwerten Bedingungen eine sehr gute Abschlussprüfung

Corona stellt auch vor ungewöhnliche Prüfungssituationen, etwa diejenige, eine praktische Aufgabe mit Kindern zu bewältigen – aber ohne Kinder. Ein Widerspruch? Nur vermeintlich. Auch so kann man eine sehr gute Abschlussprüfung schaffen.

 
SPS-Praktikantin Laura Zubek (Mitte) kann stolz sein auf ihr Prüfungsergebnis. Bettina Wick (links) und Tabea Wolfschläger, Kinderpflegerin im Hort St. Vinzenz Pallotti, freuen sich mit ihr. Foto: Bernadette Baufeld/KJF

Laura Zubek ist seit September 2019 Jahrespraktikantin im zweiten Sozialpädagogischen Seminar (SPS) im Hort St. Vinzenz Pallotti in Freising bei der Jugendhilfe Nord. Sie besuchte im Schuljahr 2019/20 die sozialpädagogische Fachakademie des Anton-Fingerle-Bildungszentrums in München und legte dort trotz erschwerter Bedingungen in Corona-Zeiten eine sehr gute Abschlussprüfung zur Kinderpflegerin ab.

 

Normalerweise schließt diese Ausbildung neben vielen theoretischen Prüfungen mit einer praktischen Prüfung ab. Dabei stellt die angehende KinderpflegerIn in einem pädagogischen Angebot mit einer Kleingruppe von Kindern ihr Können vor dem Prüfungsausschuss, welcher aus den LehrerInnen und der PraxisanleiterIn im Hort besteht, in der jeweiligen Einrichtung dar. Grundlage für diese praktische Prüfung ist die schriftliche Ausarbeitung des Angebotes. Dazu wählt die/der SchülerIn von etwa 15 pädagogischen Bereichen vier Bereiche aus. Laura wählte den motorischen, den hauswirtschaftlichen, den kreativ schöpferischen und den kulturellen Bereich aus.

 

Die Anleitung Bettina Wick (Erzieherin und Hortleitung) stellte mit der/m FachlehrerIn in der Schule zu jedem Bereich eine Aufgabe. Nun musste Laura die gewählte Aufgabe aus einem der vier Bereiche innerhalb von sieben Tagen schriftlich ausarbeiten und am Tag der Prüfung dem Prüfungsausschuss vorlegen. Ab diesem Zeitpunkt stand der SPS-Praktikantin die Anleitung als Unterstützung nicht mehr zu Verfügung, da diese zum Prüfungsausschuss gehörte. Eine Unterstützung war jedoch durch die zweite Kraft der Gruppe, Tabea Wolfschläger, möglich. Laura hatte den hauswirtschaftlichen Bereich gewählt und folgende Aufgabe gezogen: "Förderung der Feinmotorik mit einer Kleingruppe – schneiden, schälen, hobeln".

Das "mögliche" Ergebnis der Kleingruppenarbeit mit Kindern. Foto: Bernadette Baufeld/KJF
Sehr gute Abschlussprüfung mit hypothetischer praktischer Aufgabe


Dann kam auf einmal alles anders. Die praktische Prüfung konnte wegen der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Betretungsverbot im Hort nicht zusammen mit den Kindern absolviert werden, sondern musste als Vortrag vor dem LehrerInnengremium in der Schule stattfinden. Auch die Praxisanleiterin Bettina Wick war aufgrund der Pandemie nicht mehr im Prüfungsausschuss, denn die Schule hatte ebenfalls ein Betretungsverbot. Dennoch sollte die Prüfung stattfinden.


Für die gesamte Prüfung standen 30 Minuten zu Verfügung; für jede Einheit zehn Minuten. In der Einführung musste der Ablauf des Angebotes vor den imaginären Kindern erläutert werden, und warum dieses Thema aus den vier Möglichkeiten gewählt worden war. Dann folgte der Schwerpunkt mit Situationsbeschreibung und Zielsetzung sowie abschließend die Reflektion, bei der man sich damit auseinandersetzen sollte, wie man selbst seine Arbeit beurteilt hätte, wäre das Angebot real umgesetzt worden.

Das Sozialpädagogische Seminar
Beim Sozialpädagogischen Seminar handelt es sich um einen beruflichen Vorbildungsweg für die ErzieherInnen-Ausbildung. Das Seminar soll zur pädagogischen Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsfeldern befähigen, insbesondere in der Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern bis zum frühen Schulalter. Das SPS gliedert sich in einen fachpraktischen Teil (Tätigkeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung für Kinder oder Jugendliche) und einen fachtheoretischen Teil (Unterricht an der Fachakademie). In der Regel dauert das SPS zwei Jahre und endet mit dem Abschluss zur/m staatlich geprüften KinderpflegerIn. Bei der SPS-Ausbildung handelt es sich um eine Vollzeitausbildung. Die Arbeitszeit an der Praxisstelle als ErzieherpraktikantIn beträgt mindestens 35 Stunden, in städtischen Einrichtungen 39 Stunden pro Arbeitswoche. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es für einen Teil der BewerberInnen die Möglichkeit, in das zweite Jahr des SPS einzutreten.


Laura hatte zuvor alles gemäß den räumlichen Gegebenheiten des Horts aufgebaut, ganz so als ob die Prüfung vor Ort hätte stattfinden können, und fotografierte für den Prüfungsausschuss ihren Aufbau. Außerdem zeigte sie ein Ergebnis aus der hypothetischen Gruppenarbeit mit den Kindern. All dies trug neben ihren theoretischen Kenntnissen dazu bei, die Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Prüfung zu meistern.


Das gesamte Hort-Team von St. Vinzenz Pallotti und die Bereichsleitung gratulieren herzlich zu diesem sehr guten Prüfungsabschluss und wünschen Laura für die weitere Ausbildung zur Erzieherin alles Gute. Wer weiß, vielleicht kommt sie als Berufspraktikantin oder staatlich anerkannte Erzieherin wieder zur KJF zurück.

Text: Bernadette Baufeld, Bereichsleitung Horte und Offene Ganztagsschulen, Jugendhilfe Nord