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Alfred Repšys ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender

"Ich sehe mich als Sparringspartner für den Vorstand"


Am 1. März übernahm Alfred Repšys den vakanten Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der KJF. Er bringt nicht nur Erfahrungen aus einem reichen Berufsleben mit, sondern auch viel Empathie für die Schwachen in unserer Gesellschaft. Und er ist ein Mann, der für Überraschungen gut ist.

 

Trat sein Amt in schwieriger Zeit an: Alfred Repšys. Foto: Gabriele Heigl/KJF

Coronamäßig korrekt trifft man sich in diesen Zeiten im Garten und hält sogar mehr als zwei Meter Abstand. Zum Glück spielt das Wetter mit. Alfred Repšys zeigt sich als vollendeter Gastgeber, der zum Kaffee Erdbeeren und Schlagrahm serviert. Corona bremst seinen Start im Amt zwar aus. Seine Ziele hat er dennoch bereits im Blick.


Herr
Repšys, woher stammt Ihr ungewöhnlicher Nachname?
Alfred Repšys: Sowohl mein Vater als auch meine Mutter stammten aus Litauen. In den Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit hat es beide unabhängig voneinander nach Stuttgart verschlagen. Dort haben sie sich kennengelernt. So wurde ich in Stuttgart geboren und bin dort auch aufgewachsen.


Wenn man Ihren Werdegang liest, könnte man meinen, Sie sammeln Studienabschlüsse. Nach bereits zwei absolvierten Diplom-Studiengängen haben Sie zuletzt auch noch Ihr Diplom in Katholischer Theologie erworben. Wie kam’s?
Nach meiner beruflich aktiven Phase hatte ich das Ziel, Diakon zu werden. Bei der Theologie handelt es sich um das am breitesten angelegte Studium. Das hat mich fasziniert. Es umfasst so viele interessante Studienfelder, das Studium von Altem und Neuem Testament, Kirchengeschichte, Philosophie, Moraltheologie, Sozialethik und einiges mehr. Mithilfe eines Intensiv-Lateinkurses machte ich das Große Latinum und musste dann bis zum Vordiplom auch noch Altgriechisch und Hebräisch belegen. Leider stand meiner Berufung zum Diakon dann mein Alter entgegen. Die Grenze sind hier 55 Jahre.


Nun haben Sie am 1. März das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der KJF übernommen.
Dr. Elke Hümmeler, das damalige Aufsichtsratsmitglied in beratender Funktion, hat mich im November gefragt, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könnte (siehe Kasten Andrea Thiele, die Red.). Nach einem weiteren Gespräch mit ihr, meinem Vorgänger im Amt Friedrich Seitz und Aufsichtsrat Pater Stefan Stöhr habe ich dann kurz vor Weihnachten letzten Jahres zugesagt.


Gab es vorher schon Berührungspunkte mit der KJF?
Ich kannte natürlich diesen großen Sozialverband und wusste auch, dass es ein besonderer ist, allein schon wegen seiner langen Geschichte. Wie groß die KJF aber tatsächlich ist, wie viele Kinder und Jugendliche sie betreut und wie viele Mitarbeitende sie hat, das habe ich erst im Zuge meiner Vorbereitung auf das Amt erfahren. Man kann schon sagen, dass ich mich geehrt fühle, dass man mir diese Aufgabe angetragen hat.

Zur Person

Alfred Repšys (69) amtiert seit 1. März 2020 als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der KJF. Er wurde 1950 als Kind litauischer Eltern geboren. Nach dem Gymnasium studierte er in Stuttgart zunächst Mathematik. Danach arbeitete er für das Unternehmen Siemens in den Bereichen Datenverarbeitung und Kommunikation zunächst in Bremen, später in München. Nebenher erwarb er sein Diplom in Wirtschaftswissenschaften. Als Projektleiter für Telekommunikationsnetze lebte er viel im Ausland, unter anderem in Australien, den USA, in Thailand, Vietnam und Indien und auf den Philippinen. 2008 zog es ihn für ein Theologiestudium noch einmal an die Universität. Derzeit arbeitet er an seiner Dissertation. Auf allen seinen Auslandsaufenthalten begleitete ihn seine ebenfalls aus Litauen stammende Frau, die im letzten Jahr verstorben ist. Alfred Repšys war von 2014 bis 2019 Mitglied im Caritasrat. In derselben Zeit war er auch Mitglied im Diözesansteuerausschuss der Erzdiözese München und Freising. Derzeit arbeitet er ehrenamtlich in seinem Wohnort Raubling im Christlichen Sozialwerk und als Kirchenpfleger. Er interessiert sich für Geschichte und Opernmusik, engagiert sich in der Kommunalpolitik, fährt gerne Ski und spielt Tennis. Text: Gabriele Heigl


Was bringen Sie für das Amt mit?
Die Themen, die kirchliche Sozialverbände beschäftigen, kenne ich sehr gut, etwa durch meine sechsjährige Erfahrung als Mitglied des Caritasrates. In dieser Funktion habe ich viele Caritas-Einrichtungen in unserer Region kennengelernt. 2014 bis 2019 war ich Mitglied im Diözesansteuerausschuss. Seit 2017 bin ich Zweiter Vorsitzender des Christlichen Sozialwerks Raubling e.V. Dabei handelt es sich als Nachfolger des Kranken- und Jugendpflege e.V. in Raubling um einen Sozialdienst, der vor 44 Jahren gegründet wurde, und Raublinger Bürgern ambulante Altenpflege, Tagespflege und Essen auf Rädern anbietet. Dort bin ich mitzuständig für das Controlling und das Finanzwesen. Außerdem arbeite ich ehrenamtlich als Kirchenpfleger in Raubling – eine wunderbare Aufgabe, bei der man gestalten kann.


Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs sind die berühmten 100 Tage im Amt noch nicht ganz rum. Dazu kommen die besonderen Umstände wegen der Corona-Krise. Können Sie dennoch schon etwas darüber sagen, was Ihnen wichtig sein wird bei dieser Aufgabe?
Natürlich kann ich erst eine grobe Einschätzung geben. Ich möchte mein Augenmerk auf die drei Säulen richten, auf denen die KJF ruht. Da sind zum einen die Kinder und Jugendlichen, um die es natürlich zentral geht. Hinzu kommen die Mitarbeitenden, die wichtig sind und die eine besondere Wertschätzung verdienen, weil sie die Last der Arbeit tragen. Und als Drittes natürlich die notwendigen finanziellen Mittel, ohne die Mitarbeitende und Leistungen nicht bezahlt werden können. Mein Ziel ist es hier, dass es uns gelingt, die Geschäftsjahre regelmäßig mindestens mit einer Schwarzen Null abzuschließen.


Wie wollen Sie das erreichen?
Wegen der Corona-Pandemie haben alle Sozialverbände Umsatzeinbußen bei weiterlaufenden Kosten. Die Unterstützungsprogramme der Regierung werden die Einnahmeverluste wohl nur zum Teil abdecken. Dazu kommt, dass wir wie viele andere auf die Unterstützung durch die Erzdiözese angewiesen sind, die allerdings selbst wegen der Kirchenaustrittszahlen und wegen des Corona-bedingten Konjunktureinbruchs mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen rechnen müssen. Die von der Erzdiözese zugesagten Zuschüsse werden wir 2020 erhalten und darüber hinaus werden wir uns bemühen, auch für die Folgejahre diese Unterstützung zu bekommen. Als weitere Einnahmequellen sehe ich Spenden, Erbschaften und andere öffentliche Förderungen, aus denen ja bereits jetzt Mittel an die KJF fließen. Gerade die Spendenbereitschaft während der jetzigen Krise scheint mir sehr hoch, wie ich selbst erleben konnte.  Im Rahmen meines Theologiestudiums hatte ich ein Jahr in Israel gelebt und dort zusammen mit meiner Frau einen Verein gegründet zur Unterstützung eines Klosters in Jerusalem. Das Kloster betreibt ein Pilgerhaus und einen Kindergarten, die wegen der Pandemie schließen mussten. Ein Aufruf an potenzielle Spenderinnen und Spender erhielt eine überraschend positive Resonanz und wir konnten dem Kloster eine größere Summe überweisen. Aber zunächst ist mir etwas anderes noch wichtiger.


Was wäre das?
Ich will – sobald sich die Corona-Lage beruhigt hat – alle Einrichtungen der KJF besuchen, um mich vorzustellen und mit den Mitarbeitenden und Betreuten ins Gespräch zu kommen und natürlich auch, um Eindrücke über die einzelnen Einrichtungen zu gewinnen. Außerdem ist mir der Austausch mit den Mitgliedern wichtig. Deswegen möchte ich im September die Mitglieder zu einer Kennenlernveranstaltung in die Adlzreiterstraße einladen.


Und wie sehen Sie das Zusammenwirken zwischen Ihnen und dem Vorstand?
Ganz allgemein gesprochen, sehe ich mich als Aufsichtsratsvorsitzender als Sparringspartner für den Vorstand. Ich möchte ihn kritisch begleiten, Anregungen geben, aber nicht im operativen Geschäft mitmischen.


Interview: Gabriele Heigl

 

Weiterer Wechsel im Aufsichtsrat – Andrea Thiele folgt auf Dr. Elke Hümmeler
Andrea Thiele ist seit 1. März neues beratendes Mitglied im Aufsichtsrat. Foto: Ordinariat

Es gab noch einen Abschied im KJF-Aufsichtsrat: Das beratende Mitglied Dr. Elke Hümmeler, Leiterin des Ressorts Caritas und Beratung im Ordinariat, ging in den Ruhestand. Ihr folgte als Kommissarische Leiterin des Ressorts Caritas und Beratung und Hauptabteilungsleiterin Caritas und Soziales, Andrea Thiele (52). Das Ressort Caritas und Beratung ist für die Beratungseinrichtungen in Trägerschaft der Erzdiözese München und Freising und die katholischen sozialen Träger, insbesondere den Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e. V. und die sozialen Fachverbände, zuständig. Zu den Arbeitsfeldern gehören unter anderen kirchliche Hilfsfonds, konkrete Hilfsangebote für Menschen in Not und der Lebensschutz. Von Dr. Hümmeler übernahm Andrea Thiele auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Caritas.

Andrea Thiele studierte Religionspädagogik/Kirchliche Bildungsarbeit an der Universität Eichstätt und Organization Studies an der Universität Hildesheim. Sie besitzt eine kaufmännische Ausbildung und eine Zusatzausbildung in Organisationsmanagement und Sozialmanagement. In ihren bisherigen Berufsstationen als Geschäftsführerin des Malteser Hilfsdienstleisters im Landkreis Starnberg, als Trägervertreterin einer Kindertagesstätte mit angeschlossenem Familienzentrum sowie als Organisationsentwicklerin innerhalb und außerhalb der Kirche standen schwerpunktmäßig soziale Themen im Vordergrund. Andrea Thiele lebt in Icking, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie macht gerne lange Spaziergänge mit dem Familienhund und findet Entspannung bei einem guten Buch. Text: Gabriele Heigl

Andrea Thiele zur Corona-Krise:
"Die Sozialverbände haben jetzt große Aufgaben zu bewältigen. Die Krise stellt sie einerseits nicht nur vor erhebliche finanzielle, sondern auch menschliche Herausforderungen. Andererseits erfahren sie in diesen Tagen eine hohe Anerkennung. Ich wünsche mir sehr, dass diese Wertschätzung auch über die Krisenzeit hinaus anhält."