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Corona-Pandemie

Vom schönen Gefühl, etwas zurückzugeben

 

Azad Miah Ali Fajor kam kurz vor Weihnachten 2014 als jugendlicher Flüchtling aus Bangladesch nach München. Die KJF nahm sich damals seiner an und half ihm, Fuß zu fassen. Jetzt, fünf Jahre später, konnte er der KJF helfen. Es gelang ihm, dringend benötigte Atemschutzmasken in seiner Heimat zu besorgen.

Vom Hilfsbedürftigen zum Helfer: Azad Miah Ali Fajor mit den 1200 Atemschutzmasken. Foto: Gabriele Heigl/KJF 

"Als ich mitbekommen habe, dass die Katholische Jugendfürsorge nicht genügend Masken hat, habe ich mich ans Telefon gesetzt und Freunde und Bekannte in meiner Heimat gefragt. Bangladesch hat ja eine starke Textilindustrie. Schließlich fand ich jemanden, bei dem ich welche bestellen konnte." Azad Miah Ali Fajor (22) lächelt. Was aus seinem Mund so einfach klingt, war in diesen Wochen im März und April nicht nur für die Einrichtungen der KJF ein Ding der Unmöglichkeit: Die nötige Anzahl an Atemschutzmasken für Betreute und Mitarbeitende zu organisieren – gab es in dieser Zeit doch nicht einmal für die Beschäftigten der Krankenhäuser genügend Schutzmasken.

Azad war als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling über Umwege nach Deutschland gekommen. Aus politischen Gründen musste er seine Heimat verlassen: "Meine Eltern haben telefonische Drohungen bekommen." Es war sicher ein schwerer Schritt für seine Familie, ihn im Alter von nur 15 Jahren auf diese Reise zu schicken. Eigentlich soll es für ihn nach Italien gehen, doch er landet in Libyen. In dem Land, in dem Krieg herrscht, ist er völlig auf sich alleine gestellt. Man nimmt ihm sogar den Reisepass weg. Dennoch gelingt es Azad, sich über Umwege nach München durchzuschlagen.

Azads Geschichte hat auch in den Medien viel Aufsehen erregt. Unter anderen berichtet Focus Online in einem Video darüber, es ist auf YouTube eingestellt.



In der damaligen KJF-Erstaufnahmeeinrichtung in der Meindlstraße kümmert man sich um ihn. "Die haben mir wirklich sehr geholfen, es ging mir genauso gut wie Zuhause", erinnert sich Azad. Ein besonders enger Kontakt entsteht zu Andreas Seefried, Projektleiter der KJF-Einrichtung SBW-Flexible Hilfen München (SBW = Sozial Betreutes Wohnen). Auch als er von anderen Flüchtlingsbetreuungsstellen übernommen wird, bleiben sich beide eng verbunden. Azad lernte sehr schnell und sehr gut Deutsch und machte seinen Hauptschulabschluss. Er findet in der Gastronomie einen festen Job als Kellner, lernt neue Freunde kennen.

Azad hat sich gut eingelebt in München. Foto: Gabriele Heigl/KJF

550 Euro vom Mindestlohn

Azad empfindet tiefe Dankbarkeit für die Hilfe, die er von der KJF im Allgemeinen und Andreas Seefried und dessen Familie im Speziellen erhalten hat: "Die haben auf mich aufgepasst, als wäre ich ihr Kind. Die waren gut zu mir." Und Andreas Seefried bestätigt: "Meine zwei Söhne sind wie Brüder für ihn, und ich bin irgendwie wie sein zweiter Vater." So erfährt Azad von der Masken-Notlage der KJF. Andreas Seefried: "Wir mussten die Einweg-Masken, die man normalerweise dreimal am Tag wechseln sollte, teilweise tagelang tragen." Für Azad war das die willkommene Gelegenheit, den Menschen, die einst ihm geholfen haben, etwas zurückzugeben. "Von Anfang an war immer in meinem Kopf: Vielleicht schaffe ich es irgendwann, etwas Gutes für die Katholische Jugendfürsorge zu tun. Hilfe muss nicht groß sein. Man kann immer irgendjemandem helfen. Wenn ich jemanden helfen kann, dann ist das das beste Gefühl für mich."

Die Masken waren natürlich nicht umsonst zu bekommen. Azad bezahlte sie aus eigener Tasche und schenkte sie dann den SBW-Flexiblen Hilfen München. 550 Euro haben ihn die 1200 Stück gekostet. Wenn man weiß, dass er vom Mindestlohn lebt, und auch das Trinkgeld in Zeiten von Corona natürlich wegfällt, kann man die Großzügigkeit dieser Spende ermessen. Er bezahlte sogar extra den Express-Versand der DHL. Und so dauerte es nur zwei Wochen, bis die Masken in München ankamen. Und nicht nur das. Es sind noch weitere 1000 Masken auf dem Weg nach Deutschland.

 
Als das Paket mit den Masken bei SBW-Flexible Hilfen in München ankam, war die Freude bei Azad und Andreas Seefried groß. Foto: Gabriele Heigl/KJF

Ihm droht die Abschiebung

Eine andere Postsendung aus seinem Heimatland dauert dagegen deutlich länger. Azad wartet darauf, dass ihm ein neuer Pass ausgestellt und zugeschickt wird. Da sein Asylantrag abgelehnt wurde, durfte er nur aufgrund einer Ausbildungsduldung bleiben. Über den §25a des Aufenthaltsgesetzes versucht er nun, eine Aufenthaltserlaubnis für weitere zwei Jahre zu erlangen. Der Paragraf regelt die Aufenthaltsgewährung bei gut integrierten Jugendlichen und Heranwachsenden. Für die Bewilligung benötigt er jedoch seinen Pass. Zwei Mal war er schon auf dem Konsulat in Berlin – ohne Erfolg. Ohne das Dokument droht ihm die Abschiebung. Dennoch bleibt Azad optimistisch und strahlt Zuversicht aus. Er träumt davon, irgendwann eine eigene Bar in München zu eröffnen.

Text: Gabriele Heigl